Pilze - Bestimmung

PILZE BESTIMMEN

Haberl B; Kleber JJ 2000

Übersicht von Pilzbestimmungscharakteristika, die für jeden verständlich den Auschluss der wichtigsten Giftpilze - zumindest der tödich giftigen Pilze - erlauben sollten; die folgenden Ausführungen sind teils für den Pilzsammler gedacht, teils für den Arzt, der sich durch eine Pilzbeschreibung einen Überblick über die infrage kommenden Giftpilze machen möchte. Auf Fachausdrücke und alle möglicherweise schwierig zu beurteilenden Bestimmungscharakteristika wurde absichtlich verzichtet.

BESCHREIBUNG DES PILZES

Hat man den infrage kommenden Pilz nicht vorliegen, sollte man versuchen sich durch die Pilzbeschreibung ein gewisses Bild zu machen, ohne gleich Pilzbilder zu vergleichen; die spontane Pilzbeschreibung des Pilzsammlers oder der Person, die den Pilz geputzt und zubereitet hat, kann durch gezielte Fragen ergänzt werden (siehe unten); in etlichen Fällen kann man durch diese Beschreibung des Pilzes zumindest die tödlich giftigen Pilze ausschließen.

WICHTIGE FRAGEN BEI DER PILZBESTMMUNG

Als erstes stellt sich die Frage, ob es sich um Röhrenpilze (schwammartige Hutunterseite), um Lamellenpilze (blattartige Hutunterseite) oder Nichtblätterpilze (z.B. Boviste, Morcheln, Korallen-Pilze) handelt. Tödlich giftige Pilze finden sich nur unter den Lamellenpilzen, ausgenommen die tödlich giftigen Lorcheln (Nichtblätterpilze).
Die nächste Frage ist, welche Farbe die Lamellen oder die Röhren haben; so haben alle tödlich giftigen Knollenblätterpilze rein weiße Lamellen, die tödlich giftigen Rauhköpfe zimtbraune und die tödlich giftigen Häublinge (z.B. Nadelholzhäubling) braune Lamellen.
Danach ist der Standort zu erfragen: Nadel-, Laub- oder Mischwald, auf altem Holz oder frei auf der Wiese wachsend.
Leicht zu beurteilen sind auch bitterer oder scharfer Geschmack, die durch ein auch beim Giftpilz ungefährliches kurzes Anlecken des Pilzfleisches mit der Zungenspitze geprüft werden können. Pilze mit bitterem oder scharfen Geschmack sollten vom Nicht-Pilzexperten immer gemieden werden.
Zur genauen Pilzbestimmung gibt es noch viele weitere Charakteristika (z. B. beringt oder nicht beringt, Pilzkappe, Geruch usw.); diese Charakteristika überfordern den Ungeübten und sind ausführlicher in Pilzbestimmungsbüchern abgehandelt.

PILZBILDER UND PILZDATENBANK

Hat man die Pilze nicht vorliegen und hat man sich anhand der Pilzbeschreibung ein ungefähres Bild gemacht und einen oder mehrere Pilze im Verdacht, kann man durch das Betrachten von Pilzbildern versuchen, die Verdachtsdiagnose sicherer zu machen. In der Datenbank dieser Pilz-Internetseite sind die einzelnen Pilze ausführlich beschrieben und in einem speziellen Textteil die typischen Merkmale des beschriebenen Pilzes besonders hervorgehoben. Jeder Pilztext hat außerdem ein Kapitel Verwechslungsmöglichkeiten, in dem die wichtigsten ähnlichen Pilze und alle eventuell verwechselbaren Giftpilze mit den Hauptunterscheidungsmerkmalen aufgelistet sind.

HÄUFIGE IRRTÜMER BEI DER PILZBESTIMMUNG

Bei jeder Pilzbestimmung nach Erzählungen muss man einen Irrtum einkalkulieren; sogar wenn übriggebliebene oder mitgebrachte Pilze vorliegen, könnten noch zusätzlich andere Pilze gegessen worden sein.
Angaben zur Hutfarbe oder Beringung sind oft falsch durch mangelhafte Beobachtung oder das Alter und den Erhaltungszustand des Pilzes.
Vom Pilzsammler geäußerte Pilznamen sollten auf keinen Fall zu einer Einengung in der Suche führen, da diese oft in keiner Beziehung zum später bestimmten Pilz stehen; immer sollte eine Pilzbestimmung ganz unvoreingenommen mit der Frage nach Lamellen, Röhren usw. beginnen.
Wenn vorhandene Vergiftungssymptome nicht mit den nach der Beschreibung möglichen Pilzen übereinstimmen, ist eher ein der Vergiftungssymptomatik entspechender Giftpilz anzunehmen, als ein zur Beschreibung passender!

PILZEXPERTEN

In wichtigen Fällen (Therapieentscheidung bei schweren Pilzvergiftungen) ist es möglich einen geprüften Pilzexperten zu Rate zu ziehen, der aus übriggebliebenen Pilzen, teils auch Pilzresten meist eine sichere Pilzbestimmung durchführen kann.
Bei den Giftnotrufzentralen [GIFTNOTRUF MÜNCHEN 089.19240] können Adresse und Telefonnumer eines in der Nähe wohnenden Pilzexperten erfragt werden.

LABORUNTERSUCHUNGEN

Untersuchung der Pilze unter dem Mikroskop (z.B. Pilzsporen) oder Nachweis der Pilzgifte ist im allgemeinen nur in speziellen Untersuchungsstellen möglich und ist vom Zeitaufwand und der örtlichen Verfügbarkeit beim akuten Vergiftungsfall meist nicht relevant. Eine Ausnahme bildet eventuell der leicht durchführbare Amatoxin-Zeitungspapier-Test (siehe Amatoxinsyndrom).

VERGIFTUNGSYMPTOME

Ist es schon zu Vergiftungssymptomen gekommen, gibt die Art dieser und die Zeit, die ohne Beschwerden zwischen Pilzmahlzeit und ersten Beschwerden vergeht, wesentliche Hinweise auf die möglichen verursachenden Pilze (siehe Menüpunkt Vergiftung links).
Bei Einnahme mehrerer verschiedener giftiger Pilze könnten allerdings auch kombinierte Vergiftungszeichen auftreten, die dann die beschwerdefreie Zeit nach der Pilzmahlzeit nicht mehr als bestimmendes Kriterium zulassen.